Die „Selection Rheinhessen“ ist eine wirkliche Selektion

Eines der erfreulichsten Programme in der deutschen Weinlandschaft ist und bleibt die „Selection Rheinhessen“. Hier geht es seit 1992 um wirkliche Premiumqualität in den Flaschen mit der markanten Halsschleife. Der Anforderungskatalog für die teilnehmenden Winzer ist umfangreich und die Hürden sind hoch. Diese Maßnahmen dienen der Steigerung und der Sicherung der Weinqualität, die Instrumente sind […]

Die Hochheimer Domdechaney

Domdechaney – die Weinlage nicht nur für Katholiken

Hochheimer Domdechaney – das hört sich sakral und weihevoll an, so ganz anders als „Pettenthal“ oder gar „Nacktarsch“.  Doch die Qualitäten aus dieser Spitzenlage  lassen selbst den kirchenfernsten Weingenießer salbungsvoll erstrahlen, „Kirchenfenster“ im Glas nämlich gefallen ihm sehr.

Einst besaßen die Domdechanten (das sind Domdekane, also hohe Würdenträger der katholischen Kirche) aus dem nahe gelegenen Mainz eine idyllische Sommerresidenz und auch der benachbarte Weinberg war, wie so viele deutsche Top-Weinlagen, im Besitz der Kirche, in Hochheim war es das Mainzer Domkapitel. Früher ein Steilhang, wurde das Gelände in der 2.Hälfte des 18. Jahrhunderts durch Erdaufschüttungen in eine etwas leichter zu bewirtschaftende Hanglage verwandelt. Der herrlich nach Süd exponierte Weinberg, vom Verband VDP als „Große Lage“ definiert, besteht mit seinen zwei Gewannen „Rauchloch“ und „Hinter der Kirche“ aus stark kalkhaltigen Lößlehmböden. Selbst in heißen Jahren geraten die Rebstöcke durch die gute Wasserspeicherfähigkeit des Bodens kaum in Trockenstress.

Die Trauben reifen fast immer gut aus und in Verbindung mit der nährstoffreichen Versorgung entstehen hier recht kräftige, klassische Rheingauer Rieslinge, die über eine ausgezeichnete Entwicklungsfähigkeit verfügen. Mindestens zwei bis drei Jahre auf der Flasche, auch bei den trockenen Weinen, führen zu immer komplexeren und tiefgründigeren Geschmackserlebnissen.

Aus dieser Lage im Rheingau, unterhalb des Hochheimer „Doms“ St. Peter und Paul gelegen, kommt eigentlich kaum einmal ein durchschnittlicher, geschweige denn schlechter Wein. Kein Wunder, dies ist eine der zu Recht berühmtesten Weinlagen nicht nur im Rheingau, sondern in ganz Deutschland. Die edelsüßen Raritäten aus der Domdechaney erzielen jedesmal Preise von mehreren Hundert Euro pro Flasche auf Weinauktionen wie in Kloster Eberbach. Hier geht es auch immer nur um Riesling, etwas anderes kommt hier gar nicht auf die Flasche.

Da sich momentan nur 7 Betriebe die knapp 11 Hektar große Weinlage teilen, darunter Spitzenerzeuger wie das Weingut Künstler, das Domdechant Werner´sche Weingut (nomen est omen), Schloß Schönborn oder die nun wieder verbesserten Hessischen Staatweingüter Kloster Eberbach, ist die Angabe „Domdechaney“  auf dem Etikett schon fast ein Qualitätssiegel.  Selbst kleinere Erzeuger wie Josef Schäfer oder Newcomer Fabian Schmidt vom Weingut Weinegg bringen aus dieser Lage eigentlich jedes Jahr beachtenswerte Weine auf die Flasche. Hier geht´s in der Regel nicht um  Qualitätsunterschiede, sondern eher um Interpretationsfragen.

Hier einige Degustationsnotizen:

2015 Domdechaney Großes Gewächs, Domdechant Wernersches Weingut, Hochheim

Ein mächtiger, kraftvoller Wein, fast mit dem Charakter einer (heute stilistisch fast ausgestorbenen) trockenen Auslese, getrocknete gelbe Früchte im Bukett, am Gaumen monumentale Struktur aus einem Guß, noble Kräuterwürze, etwas exotische Frucht, langer Nachhall mit salinen Noten, noch zu jung, hat großes Potential.


2016 Domdechaney Erste Lage trocken, Weingut Künstler, Hochheim:

klassischer Rieslingduft mit weißen Pfirsichnoten, etwas Zitrus und Holunderblüte, am Gaumen sehr elegant, mit seidiger, gut verwobener Weinsäure, hat Finesse und eine vielschichtige Textur, kann gut reifen.


2015 Domdechaney Erstes Gewächs trocken, Domänenweingut Schönborn, Hattenheim:

Obst wie Mango, Pfirsich sowie etwas Honig im Bukett, am Gaumen feinwürzige Extraktsüße bei ausladender Struktur, hat viel Fülle und Schmelz, doch auch fein-frische Limonenaromen, recht langer Nachhall.

Der kapriziöse Frühburgunder…

Der Frühburgunder ist ein kapriziöses Wesen: zickig im Anbau, seine Fäulnisanfälligkeit bei früher Reife ist legendär und auch im Keller will er mit Vorsicht und Verstand gepflegt werden.
Doch wenn alles gelingt, kommen herrlich samtige Weine mit einer den Spätburgundern ähnlichen Frucht heraus, doch beim Frühburgunder scheint oft alles irgendwie eleganter und ätherischer zu sein.
Ein exemplarisches Beispiel für einen gut gereiften – verkostet im Oktober 2017 – Frühburgunder war diese 2010er-Flasche der Selection Rheinhessen aus dem Weingut Bettenheimer in Ingelheim, dessen Inhaber Jens Bettenheimer einen klaren Qualitätskurs fährt, dabei behutsam Neuerungen mit Traditionsbewußtsein verbindet und mittlerweile zu den Toperzeugern in Rheinhessen gehört.

 


Der Weinbeschreibung auf dem Rückseitenetikett ist nicht viel hinzuzufügen, doch die Karamellnoten hatten subtilen Tertiäraromen, sanften Tanninen und einer reifen, aber nicht überreifen Beerenfrucht Platz gemacht und dem Wein insgesamt zu noch mehr Komplexität und würdevoller Eleganz verholfen. Nicht nur in der Jugend betören diese Weine also, in den Händen eines guten Winzers können auch gut lagerfähige Weine entstehen.